23.04.2026 08:23
Auf Mission für mehr Beschäftigung
Am Mittwoch, 15. April, wurde im ZIK-Punkt in Arbon über ein Projekt informiert, das noch nicht einmal in seinen Kinderschuhen steckt. Denn «Upper Thurgau» soll seine Mission, die grundsätzlich darin besteht, die Beschäftigungsentwicklung in der Region Oberthurgau positiv zu beeinflussen, offiziell erst im Herbst in Angriff nehmen.
Arbon Der Oberthurgau hat sich aufgrund seiner geografischen Lage in unmittelbarer Seenähe und seines ländlichen, mit städtischen Vorzügen gespickten Charakters schon längst einen Namen als Wohnidyll gemacht. Etwas anders sieht die Situation als Wirtschaftsstandort aus, insbesondere wenn man einen Blick in die Zukunft bei der Beschäftigungsentwicklung wagt. Denn während sich der Oberthurgau beim Bevölkerungswachstum im Schweizer Schnitt bewegt, sei die Prognose für das Beschäftigungswachstum klar unterdurchschnittlich, erklärte Roger Martin, Stadtpräsident von Romanshorn und Präsident der Regionalplanungsgruppe Oberthurgau, an der Medienkonferenz im ZIK-Punkt: «Wir sind etwas wachgerüttelt worden, als wir die Zahlen gesehen haben. Denn es gibt zwar immer mehr Leute, die bei uns wohnen, aber auch immer mehr, die zur Arbeit pendeln.»
Kaum Beschäftigungswachstum
Während das prognostizierte Bevölkerungswachstum im Oberthurgau bis ins Jahr 2045 mit 27 Prozent genau im Schweizer Schnitt und nur leicht hinter jenem des Kantons mit 31 Prozent liegt, kommen die 3 Prozent Wachstum bei der Beschäftigungsentwicklung nicht an den kantonalen Schnitt von 10 Prozent und schon gar nicht an den nationalen von 17 Prozent heran. «Wir müssen beim Beschäftigungswachstum mindestens auf den kantonalen Schnitt von 10 Prozent kommen», meint deshalb Roger Martin und nennt damit ein konkretes Ziel des neuen Projekts «Upper Thurgau».
Unterstützung erhält die Region Oberthurgau dabei vom Kanton Thurgau, der mit dem freigegebenen Projekt der Neuen Regionalpolitik diesen Rückstand gezielt aufholen will. «Mit dem Projekt werden die in den vergangenen Jahren erarbeiteten Grundlagen zur Standortförderung in die konkrete Umsetzung überführt. Ziel ist es, den Oberthurgau als wettbewerbsfähigen Wirtschafts- und Lebensraum im Bodenseeraum zu positionieren und damit das Wachstum auf das Niveau des Kantons anzuheben», meinte Gilbert Piaser, Geschäftsleiter der Region Oberthurgau.
Ein grundlegendes Problem der Region sei der «Brain Drain», das so angegangen werden könne, meinte Gilbert Piaser. Denn obwohl in der Region rund 65'000 Menschen leben würden und man der am dichtesten besiedelte Bezirk des Thurgaus sei, fehle es an Arbeitsstellen: «Wir haben zwar überhaupt kein Problem, Menschen anzuziehen, die hier wohnen wollen. Doch coole und gut bezahlte Jobs sind irgendwo anders.»
Finanzierung gesichert
Eine wesentliche Frage, die noch im Detail beantwortet werden müsse, sei jene, wie man das ganze Konzept «zum Fliegen» bringe, sagte Roger Martin: «Wie wollen wir uns für die Zukunft aufstellen, dass man uns als Oberthurgau nicht nur als Region, sondern auch als Wirtschaftsstandort wahrnimmt?»
Das Projekt setzt dabei auf vier zentrale Hebel und Handlungsfelder: die gezielte Verdichtung und Weiterentwicklung bestehender Arbeitszonen, eine stärkere Vernetzung zwischen Politik, Wirtschaft und Hochschulen, eine klarere Positionierung der Wirtschaftsregion sowie den Aufbau effizienter Organisationsstrukturen für die regionale Standortförderung.
Auch die Finanzierung des Projekts sei gesichert, denn Bund und Kanton würden für die Umsetzung im Rahmen der Neuen Regionalpolitik während fünf Jahren rund 965'000 Franken zur Verfügung stellen. Und die Region Oberthurgau beteilige sich selbst mit rund 400'000 Franken und wolle nach Projektende den langfristigen Betrieb übernehmen, sagte Gilbert Piaser: «Es soll kein einmaliges Projekt sein, sondern ein Generationenprojekt, das sich weiterentwickelt und zu einer dauerhaften Institution wird.»
Samuel Struhs, Leiter Strategie und Standortförderung der Stadt Arbon, machte jedoch auch klar, dass das Projekt nicht nur nach aussen wirken soll: «Wir machen es nicht nur für Ansiedlungen, sondern auch für bestehende Unternehmen in der Region.»
Start im Herbst
Dass die erste Medienkonferenz trotz des offiziellen Projektstarts im Herbst bereits jetzt über die Bühne ging, liege vor allem daran, dass man das «Durchsickern» von Informationen wohl nicht vermeiden könne und daher besser gleich proaktiv informiere, erklärte Roger Martin. Im Herbst sollen dann auch konkrete Fragen zu den einzelnen Handlungsfeldern beantwortet werden. Dass man zuversichtlich auf die Lancierung von «Upper Thurgau» schaue, liege vor allem an der Region: «Wir haben viele Perlen in der Region und sind darum 'Home of the Hidden Champions'. Wir sind aber nicht bekannt, weil wir kein gemeinsames Label haben.»
Dies soll sich künftig mit «Upper Thurgau» ändern. Und der Name des Projekts sei bewusst so gewählt worden, dass er eine Mischung von Englisch und Deutsch sei, erklärte Gilbert Piaser: «Wir wollen bodenständig bleiben, aber unsere Offenheit gegenüber internationalen Unternehmen zeigen.» Mehrmals wurde während der Präsentation das Beispiel des Phytovalleys genannt, bei welchem es ähnliche Unternehmen durch die Schaffung eines gemeinsamen Labels geschafft hätten, trotz Konkurrenz auf gewissen Gebieten zusammenzuarbeiten und so Synergien zu nutzen. Und so soll es auch bei den Oberthurgauer Gemeinden mit Hilfe von «Upper Thurgau» bald werden, wünscht sich Roger Martin: «Wir reden dann mit einer Stimme. Das war in der Vergangenheit oft nicht so, doch das müssen wir schaffen!»
Von David A. Giger