10.05.2026 00:00
Was am Bodenseeufer wächst, findet man nirgendwo sonst auf der Welt
Strandrasen – ein Thurgauer Naturjuwel
Strandrasen! Er besteht aus Pflanzen, die perfekt an den schwankenden Wasserstand des Bodensees angepasst sind. Sie sind klein, zäh und überstehen selbst längere Überflutungen unbeschadet. Doch das Thurgauer Naturjuwel gerät immer mehr unter Druck.
Münsterlingen Auf den ersten Blick bestehen die Kiesflächen am Bodenseeufer nur aus Sand und Steinen, doch für den Strandrasen ist der eher nährstoffarme sowie spärlich bewachsene Untergrund ideal. Und so wächst hier ein einzigartiges Naturjuwel, das häufig übersehen wird, denn zwischen Steinen und Gras fallen die teils nur fünf Zentimeter hohen Pflanzen kaum auf.
Für den Schutz der Pflanzen, die am Thurgauer Bodenseeufer wachsen, ist das Amt für Raumentwicklung verantwortlich. Eine Aufgabe, die sich nur in Zusammenarbeit mit den Grundeigentümern und Seeanstösserinnen erfüllen lässt. In Münsterlingen waren diese gestern zu einer informativen Uferbegehung eingeladen. «Wir möchten sie vor Ort sensibilisieren und ihnen einerseits aufzeigen, warum der Strandrasen so besonders ist und andererseits, was sie zu seinem Schutz tun können», sagte Andrea Näf-Clasen, Leiterin des Amts für Raumentwicklung.
Unterstützt wird das Amt für Raumentwicklung dabei von den beiden Fachpersonen Irene Strang und Jens Armbruster. Strang beschäftigt sich schon lange mit dem Strandrasen und dokumentiert auch sein Vorkommen entlang des Thurgauer Bodenseeufers. «Es zeigt sich, dass sich die Situation für den Strandrasen in den vergangenen Jahren weiter verschärft hat», sagte die Biologin. Die Gründe dafür sind vielfältig: Veränderte Wasserpegel begünstigen das Eindringen hoher Gräser, welche den Strandrasen verdrängen, die zunehmende Erosion und die Überlagerung mit Schwemmgut setzen ihm zu und auch der Mensch trägt zum Verschwinden der empfindlichen Pflanze bei. Unter anderem zerstört das Befahren der Ufer mit schwerem Gerät den wertvollen Lebensraum, das Lagern von Booten im Uferbereich kann die seltenen Arten zum Absterben bringen und auch die zunehmenden Freizeitaktivitäten am Seeufer setzen den Strandrasen unter Druck. «Im Umkehrschluss kann jede und jeder etwas tun, um den Strandrasen zu schützen», sagte Rolf Niederer, Teamleiter der Abteilung Natur und Landschaft. So helfe es nur schon, wenn man keine Lagerfeuer am Ufer entzündet – ausser in den dafür vorgesehenen, festen Feuerstellen – und beim Rückgang eines Hochwassers das anfallende Schwemmgut vorsichtig entfernt.
Auch vorausschauendes Handeln sei wichtig: «Wer einen Uferabschnitt für Bau- oder Unterhaltsarbeiten befahren muss, spricht sich am besten vorgängig mit dem Amt für Raumentwicklung ab», fügte er hinzu. «Auf diese Weise können wir auf allfällige Flächen mit Strandrasen hinweisen und gemeinsam eine Lösung finden.»
SK