08.01.2026 08:29
Entsorgung mit Unterhaltung
Die Entsorgung des Christbaums ist so eine Sache. Denn wann genau soll oder muss er entsorgt werden, wenn er noch immer in voller Pracht in der warmen Stube thront und auch seine Nadeln noch nicht den Fussboden bedecken? In
Romanshorn Christbaumwerfen – was soll denn das sein? Was im ersten Moment wie der Anfang eines blöden Witzes tönt, ist in Tat und Wahrheit schon fast Tradition in Romanshorn. Denn bereits zum dritten Mal ging am vergangenen Sonntag beim Hafen der spezielle Wettkampf über die Bühne. Dank des traumhaften Wetters fand dieser in einer winterlichen Naturarena statt, von der wohl viele Athletinnen und Athleten anderer Sportarten nur träumen können.
Einen schöneren Austragungsort für einen Outdoor-Event als der grosse Platz direkt am See vor dem Hafenmuseum bei winterlichem Kaiserwetter, wie es am Sonntag herrschte, ist wohl in der Region nur schwer zu finden. Obwohl dies mit Sicherheit auch die Veranstalter vom Gewerbeverein Romanshorn und Umgebung wissen, hätten wohl auch sie nicht mit einem solchen Menschenauflauf gerechnet. Denn die Betreiber der Festwirtschaft vom Kiwanis Club Oberthurgau gehen davon aus, dass sie zwischen 600 bis 700 Gäste mit Punch, Glühwein, Kuchen und Würsten verpflegen durften. Dies veranlasste Reto Bissegger, der für Grillmeister Florian Willener die Würste vorbereitete, zu einem überschwänglichen Fazit: «Der Anlass war ein voller Erfolg: Die Festwirtschaft hat gebrummt, die Nachfrage war da und das Wetter perfekt bei Sonnenschein und wunderbarer Schneelandschaft.»
Stachlige Angelegenheit
Auch rund um die Wurf-Arena war von Beginn weg viel Betrieb. Für Stimmung sorgte nicht nur eine Musikanlage mit bekannten Ohrwürmern, sondern auch Moderator Remo Bischof. Er war es auch, der den Zuschauerinnen und Zuschauern die Regeln des Christbaumwerfens näher brachte: «Bei den Christbäumen gibt es zwei Kategorien – eine mit Bäumen die grösser und eine mit solchen die kleiner als 1,50 Meter sind. Und auch beim Adventskranz-werfen für Kinder gibt es zwei Kategorien – eine bis zu und eine ab einer Körpergrösse von 1,20 Meter.» Mit welcher Technik der Christbaum oder Adventskranz geworfen werde, spiele keine Rolle. Das Einzige, was zähle, sei die erzielte Weite. «Und wer das Gefühl hat, er gewinne etwas, der muss unbedingt bis am Schluss bleiben. Denn sonst gewinnt er auch nichts», informierte Remo Bischof die Teilnehmer.
Dass es gar nicht so einfach ist, einen unhandlichen Christbaum durch die Luft fliegen zu lassen, zeigten schon die ersten paar Versuche. Weiter als Christian Stübi mit 7,20 Metern schaffte es keiner der Teilnehmer mit einem Christbaum über 1,50 Meter. Mit dem kleineren Exemplar reichten sogar die von Maria Willener erreichten 6,75 Meter für einen Sieg. Dass das Werfen von stachligen Geschossen nicht ungefährlich ist, bekam ein kleiner Zuschauer in der ersten Reihe unweit der Abwurflinie zu spüren: Ein Kranzwerfer beherrschte wohl die Technik noch nicht ganz und bugsierte das Wurfgeschoss direkt in sein Gesicht. Zum Glück blieb das Kind unverletzt und kam mit dem Schrecken davon.
Für einen guten Zweck
Das Christbaumwerfen ist dank der Muldenzentrale Oberthurgau nicht nur eine gute Gelegenheit, den Christbaum fachgerecht zu entsorgen, sondern auch ein Anlass, der dem guten Zweck zugute kommt. Denn der Gewinn der Festwirtschaft fliesst in die Sozialkasse des Kiwanis Clubs Oberthurgau, wie Hans-Dieter Schmitt erklärt: «Wir unterstützen mit dem Geld Familien und Kinder in der Region, die in einer schwierigen Situation sind. Und dies direkt, ohne viel Bürokratie.» Dies könnten kleine Geschenke, Gutscheine oder auch Christbäume sein, jedoch niemals Bargeld.
Dass der Event definitiv eine Zukunft hat, zeigt auch der Umstand, dass es in der Pfalz sogar Weltmeisterschaften im «Weihnachtsbaumwerfen» gibt. Während es organisatorisch wenig Verbesserungspotenzial gibt, sieht es sportlich etwas anders aus. Denn um Weltmeister zu werden, sollte man den Christbaum gegen 25 Meter weit werfen können. Doch vielleicht ist es nicht schlecht, dass der Romanshorner Event regional bleibt. Denn Christbäume sollen doch in erster Linie ein schöner Anblick und nicht ein aerodynamisches Wurfgeschoss sein. Ansonsten würden wohl bald in vielen Romanshorner Stuben keine Christbäume mehr stehen, sondern «benadelte» Christ-Speere.
Von David A. Giger