10.09.2026 08:46
Fabelhafte Fabeltiere im Museumsfoyer
Am Sonntagnachmittag ging es bunt zu und her im Foyer des Werk2 in Arbon. Denn der COMEDYexpress schickte seine Fabeltiere auf die Bühne und sorgte so eine Stunde lang für beste Unterhaltung und ein fabelhaftes Schauspiel.
Arbon Wer zum ersten Mal eine Aufführung des COMEDYexpress' besucht, der weiss noch nicht genau, was auf einen zukommt. Der Titel des Programms – «Karneval der Fabeltiere» – hilft auch nicht wirklich, das anstehende Unterhaltungsformat einzuordnen. Ist es Comedy? Ein Theater? Oder doch eher ein Musical? – Die offensichtlich gute Stimmung «Backstage», die kurz vor dem Startschuss mehrere Mal durch lautes Lachen kundgetan wurde, liess auf jeden Fall freudige Erwartung aufkommen. Und der COMEDYexpress enttäuschte nicht. Denn die Show, die in der nächsten Stunde im Museumsfoyer von Panzerknackern, Klimaklebern, Museumsangestellten und vor allem Fabeltieren aufs Parkett gelegt wurde, war tatsächlich Karneval. Und nicht etwa Karneval, wie wir ihn kennen, sondern Karneval wie er in Rio oder anderen Städten voll von Lebensfreude und heissem Blut zelebriert wird.
Ein Herzensprojekt
Ein Name, der so eng mit dem COMEDYexpress verbunden ist wie kein zweiter, ist jener von Peter Wenk. Denn der Theaterpädagoge ist nicht nur Gründervater, sondern auch das Herzstück des Theaterensembles. «Obwohl ich schon vor der Gründung von COMEDYexpress im Jahr 2003 immer wieder einmal ein Theaterprojekt in der Bildungsstätte Sommeri auf die Beine gestellt hatte, brauchte ich einfach eine neue Herausforderung», erinnert sich Peter Wenk. Und da genau zu dieser Zeit Freilichtspiele im Entsorgungshof zwischen Amriswil und Sommeri stattgefunden hätten, die positives Echo zur Folge hatten, habe die Geburtsstunde des COMEDYexpress geschlagen: «Seither haben wir im Zweijahres-Rhythmus immer ein neues Programm einstudiert.»
Zum «wir» gehört nebst den Schauspielerinnen und Schauspielern auch Ambrosia Weisser, die zusammen mit Peter Wenk das Theaterensemble leitet und wichtige Vorarbeit leistet. «Ambrosia hat all die bunten Kostüme gemacht», sagt Peter Wenk kurz vor der Aufführung. Was diese Aussage für eine Bedeutung hatte, wurde jedoch erst während des Theaterstücks ersichtlich. Denn ohne die Kostüme, die aus mit Blechbüchsen verzierten Masken, pinken Bademänteln, die mit hellgrünen, transparenten Pelerinen eingepackt wurden, und viel Glitzer und knalligen Farben bestanden, wäre die Show nur halb so spektakulär gewesen.
Eindrücklich zeigte sich dies während der finalen Modeschau der Fabeltiere. «Es ist immer wieder schön, mit Models zusammenzuarbeiten, die den Catwalk im Blut haben», meint der Assistent der Museumsdirektorin, gespielt von Peter Wenk, und hatte damit absolut recht. Denn eine solche Modeschau würde auch auf Laufstegen in Mailand oder Paris für Aufsehen sorgen.
Dass die einstündige Aufführung des COMEDYexpress so lebendig und kurzweilig war, hatte aber auch viel mit der musikalischen Begleitung von Julian Weisser zu tun. Denn der Verantwortliche für Licht- und Tontechnik war auch eine Ein-Mann-Band, die Piano spielte, Geräusche mit verschiedenen Gegenständen und Instrumenten machte und live sang – manchmal die erste, manchmal die zweite Stimme. «Die erste Stimme sang jeweils meine Frau und ich habe die Aufnahme abgespielt und sie begleitet», erklärt Julian Weisser nach der Aufürhung. Fast die gesamte musikalische Begleitung seien Eigenproduktionen. «Mit Ausnahme von Songs von Michael Jackson und andern Musikstars natürlich», meinte der Musiker mit einem Lächeln auf dem Gesicht.
Pure Unterhaltung
Der Karneval der Fabeltiere kam wenig überraschend bestens an beim Publikum. Und auch die Schauspielerinnen und Schauspieler hatten offensichtlich viel Spass auf der Bühne. «Weil wir unsere Leute so gut kennen, können wir die Rollen auf jede und jeden einzelnen zuschneiden», erklärt Peter Wenk. Doch diese Rollen seien nicht etwa fix vorgegeben, sondern würden immer auch Raum für Improvisation lassen: «Wir arbeiten nicht mit einem Skript wie bei einem Laientheater, denn nur zwei der Schauspielerinnen und Schauspieler können lesen.» Das sei auch der Grund, wieso das Einspielen eines neuen Stücks immer etwas länger daure und auch eigentlich niemals ganz fertig sei, sagt Peter Wenk: «Das Zusammenspiel erfordert immer etwas Improvisieren. Darum gibt es kein fixfertiges Stück, sondern es ist ein sich ständig weiterentwickelndes Projekt.»
Wer Pegasus, Loreley, Einhorn oder Hund «Nüdeli» selbst live erleben will, dem bietet sich an der Kulturnacht in Amriswil am Samstag, 19. September, im Ortsmuseum Gelegenheit dazu. Obwohl dort nur Ausschnitte aus dem Programm gezeigt werden, ist ein Besuch wärmstens empfohlen. Denn die Fabelwesen des COMEDYexpress scheinen es im Blut zu haben, dass die fabelhafte Stimmung, die untereinander herrscht, wie von Geisterhand auch aufs Publikum überschwappt.
www.comedyexpress.ch
Von David A. Giger